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Glücksfall Arbeit

Diesseits der Stille 10.11.2004 15:08 Uhr

Warum die Firma Mefatech in Mühlheim am Main eine gehörlose Raumausstatterin eingestellt hat.
Von Christine Demmer (Süddeutsche Zeitung)

 

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Glücksfall Arbeit

Fast jedes Kind fängt sich irgendwann einmal das Mumps-Virus ein. Normalerweise schwellen die dicken Backen nach ein paar Wochen wieder ab und der Spuk ist vorüber. Auch bei Christina Kraft war es erst nur eine harmlose Infektion. Doch dann gab es Komplikationen und schließlich verlor die Zweijährige als Folge der tückischen Krankheit ihr Gehör.

Bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr besuchte Christina Kraft die Gehörlosen- und Schwerhörigen-Schule in Stegen bei Freiburg. Sie erwies sich als kreativ und entschied sich daher für den Beruf der Raumausstatterin. Im Berufsbildungswerk Nürnberg absolvierte sie ihre Ausbildung mit Erfolg: Entwerfen, Zuschneiden, Polstern, Nähen und Dekorieren - das kann man auch ohne Worte.

 

Süddeutsche Zeitung

Geschäftsführer Frank Deiss mit Jessica Vollmer und Christina Kraft (Mitte). Foto: oh

"Nach der Abschlussprüfung war ich erst einmal arbeitslos", erzählt Christina Kraft. Was sie sagt, können wir Hörenden nicht vernehmen. Die 25-Jährige spricht mit ihren Händen und ihrem Gesicht. Eine Gebärdendolmetscherin übersetzt Gestik und Mimik in Worte. Weil Christina Kraft gelernt hat, von den Lippen abzulesen, antwortet sie schnell und lebhaft. Schon nach wenigen Minuten hat man sich auf die ungewohnte Art der Kommunikation eingestellt.

Zu Vorstellungsgesprächen nahm die Raumausstatterin immer einen Dolmetscher mit, den ihr das Berufsbildungswerk und später das Behinderten-Werk Main-Kinzig vermittelt hatte. Doch sie wurde nur selten eingeladen. Das lag nicht etwa an ihrer Qualifikation, an fehlender Motivation oder einem Mangel an Mobilität. "Die Arbeitgeber ziehen häufig betrieblich ausgebildete schwerbehinderte Arbeitnehmer vor", sagt Lothar Engelmann. Er ist beim Behinderten-Werk Main-Kinzig beschäftigt und im Auftrag der Arbeitsagentur und des Integrationsamtes für die Vermittlung von schwerbehinderten Menschen zuständig. Zumindest argumentierten die Arbeitgeber so, meint Engelmann, wenn sie einen schwerbehinderten Bewerber ablehnen.

 

» Ganz schwer haben es psychisch kranke, aber auch blinde und gehörlose Menschen. «

Im Moment seien die Vermittlungschancen katastrophal. Vor ein paar Jahren habe es besser ausgesehen. Aber heute, wo so viele nicht behinderte Menschen auf Arbeitsuche sind? Lothar Engelmann seufzt, und man merkt ihm an, dass er an jedem Schicksal mitleidet. "Ganz schwer haben es psychisch kranke, aber auch blinde und gehörlose Menschen", sagt er.

Engelmann weiß genau: Die Lohnkostenzuschüsse der Arbeitsagentur stellen einen Anreiz dar, um einen schwerbehinderten Arbeitnehmer einzustellen. Diese Zuschüsse werden individuell festgelegt und variieren nach der Schwere und Art der Behinderung und nach der Dauer der Arbeitslosigkeit. Sie können bis zu drei Jahre gewährt werden. Wer den Mitarbeiter innerhalb der Förderdauer ohne stichhaltigen Grund entlässt, muss den Zuschuss zurückzahlen. Es sei denn, er stellt plausibel dar, dass er ihn aus wirtschaftlichen Gründen entlassen musste. Dann darf er das Geld behalten. Und Lothar Engelmann muss seinem Klienten einen neuen Arbeitsplatz suchen.

Mit diesem Anliegen kam auch Christina Kraft im Frühjahr 2001 auf ihn zu. Eigens für einen Job als Polsterin war sie von Nürnberg nach Langenselbold gezogen. Aber schon nach vier Monaten ging die Firma pleite. "Ein halbes Jahr lang telefonierte sich Lothar Engelmann die Finger wund", sagt sie, um sie als Raumausstatterin auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. Fast hätte die junge Frau alle Hoffnung verloren: "Ich habe nur Absagen bekommen." Lothar Engelmann zuckt mit den Achseln. "Meist werden wir schon im Vorzimmer abgeblockt." Die Stelle sei schon besetzt, hieße es dann, oder es fehle die nötige Qualifikation, oder man habe mit schwerbehinderten Menschen schlechte Erfahrungen gemacht. "Ohne Optimismus kann man diesen Job nicht machen."

Für Christina Kraft hat Engelmann tatsächlich in diesem Frühjahr etwas gefunden, bei der Mefatech GmbH in Mühlheim am Main. Der Betrieb stellt Tintenpatronen her und beschäftigt zehn feste Mitarbeiter und ein paar Aushilfen. Jessica Vollmer, die Lebensgefährtin des Geschäftsführers, kümmert sich um die Verwaltung. Sie hat Christina Kraft eingestellt. "Wir sind ganz begeistert von ihr", sagt Frau Vollmer. "Sie arbeitet sehr konzentriert. Wir würden jederzeit wieder einen Gehörlosen einstellen. Aber im Moment haben wir alle Plätze besetzt."

In den ersten sechs Monaten hat sich die Agentur für Arbeit an den Lohnkosten beteiligt. Christina Kraft ist immer noch mit Freude dabei. "Die Arbeit ist besser als alles, was ich vorher hatte", erzählt sie. "Anfangs haben wir viel geschrieben und die Kollegen haben extra langsam gesprochen, damit ich von den Lippen ablesen konnte. Und ich spreche ja nur sehr langsam. Aber jetzt geht alles gut." Nicht nur sie, auch Lothar Engelmann hofft inständig, dass es weiterhin so bleibt.

(SZ vom 6.11.2004)

Pressestimmen

Computerbildausgabe 16/00

"Der Griff zu Originalpatronen lohnt sich selten. Sie sind erheblich teurer als Produkte von Fremdfirmen- und liefern häufig schlechtere Qualität. Und glauben Sie keinem Druckerhersteller blind, der behauptet seine Tinte sei die einzig richtige."

Stiftung Warentest Ausgabe 03/02

"Wer teure Tintenpatronen der Druckerhersteller kauft ist selber schuld. Die Ersatzprodukte von Drittanbietern sind oft nur halb so teuer wie das Original und doch kein billiger Ersatz" Problem mit den Druckköpfen gehören dagegen ins Reich der Legende. Ein Vorurteil besagt: Verschiedene Tintenmischungen könnten die Köpfe verkleben. Stimmt nicht - zeigt der Test. Die Druckköpfe kamen mit allen Tintenmischungen zurecht. Wenn die Tinte antrocknet, weil der Drucker längere Zeit nicht benutzt wird, hilft ein Reinigungslauf."

Plus Minus Beitrag vom 13.05.2003

Warum Verbraucher schwer an preiswerte Druckerpatronen kommen!

Dass Druckerpatronen nicht ewig halten, ist jedem klar, aber offenbar reichen die Füllungen neuerdings für immer weniger Ausdrucke. Und das ist besonders ärgerlich angesichts der horrenden Preise für eine Ersatz-Patrone. Dieser häufig persönliche Eindruck ist inzwischen bestätigt. Die Computerzeitschrift c´t hat aktuelle Billig-Drucker der vier großen Hersteller HP, Canon, Epson und Lexmark getestet und Erstaunliches herausgefunden.
Tim Gerber, c´t:
"Wir beobachten das schon länger, den Trend zu immer kleineren Patronen, mit immer weniger Tintenfüllung, also früher haben wir von kleinen Füllungen mit 20 ml gesprochen, heute sind das deutlich unter zehn, acht, sechs ml, die man dem Kunden mit dem Drucker verkauft."
Und das, obwohl mehr Druckerflüssigkeit ohne weiteres in die Patronen passen würde. Weiteren Frust bei Kunden produziert beispielsweise auch die gängige Praxis, dass ausschließlich eine Farbpatrone im Drucker steckt, der eigentlich eine Schwarzpatrone braucht. Eine Farbpatrone kann zwar auch schwarz drucken, ist dann aber besonders schnell leer.

Statt teurem Ersatz - preiswerte Alternativen
Eine Ersatz-Patrone schlägt schnell mit 35 bis 40 Euro zu Buche. Im Schreibwarenhandel gibt es günstigere Alternativen: Patronen-Nachbauten und wiederaufgefüllte Originalpatronen. Das Problem: Die preiswerte Variante gibt es nicht für alle Modelle. Denn die Hersteller, beispielsweise HP und Lexmark, schützen ihre Patronen mit Patenten und alle Produzenten wechseln häufig die Modelle, um das Nachbauen und Nachfüllen zu erschweren. Epson hat sich sogar etwas Besonderes einfallen lassen: Der Chip für den Tintenstand verhindert ein Wiederbefüllen völlig.